Huellas Malagueñas – Spuren in Málaga

Es gibt ein sehr schönes Buch über die Stadtviertel El Palo und Pedregalejo in Málaga. Anhand von sehr schönen Fotografien von Nicole Georges, Jaques Rennes und Michel Rennes wird ein intensives Zeitbild dieser Stadtteile gezeichnet. Die Idee kam dem Autor Michel Rennes, als er eine Ausstellung mit diesen Fotos gemacht hat, und viele Bewohner sich oder ihre Eltern und Großeltern auf den Bildern wiedererkannt haben. So ergab sich die Gelegenheit, noch viele Einzelheiten über die dargestellten Situationen zusammenzustellen, die jetzt in diesem Buch in vier Sprachen (Spanisch, Französisch, Englisch und Deutsch) nachgelesen werden können. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, den Autor persönlich zu treffen.

Zu diesem Treffen hat mir wieder Jörg Perleberg verholfen, der den Pfarrer persönlich gut kennt. So kamen wir zu dritt in El Palo zusammen und ich konnte Michel Rennes als eine angenehme Persönlichkeit kennenlernen. Der gebürtige Franzose hatte in seiner Jugend die Gelegenheit, jeden Sommer seine Ferien in El Palo zu verbringen. Schon mit 13 Jahren erhielt er seinen ersten Fotoapparat und fotografierte die Fischer dort in Málaga bei der Arbeit. Zu einigen der Fischer entwickelten sich Freundschaften und schließlich heiratete er eine Lehrerin von dort.

Auf dem Rückweg zum Auto zeigte mir der Autor noch einige Ecken und Häuser des Ortes, die auch auf Fotos in seinem Buch zu sehen sind. Dabei erzählte er mir noch Anekdoten aus der Zeit, in der die Bilder entstanden sind. Eine fand ich besonders rührend. Damals fuhr noch die Eisenbahn von Málaga hoch in die Berge nach Zafaraya. Auch in El Palo gab es eine Haltestation, wie an der ganzen Küste bis Vélez-Malaga. Im Winter blieb der Lokführer immer extra lange stehen, um den Anwohnern die Gelegenheit zu bieten, sich heißes Wasser aus dem Kessel seiner Dampflok zu entnehmen. Heute würde man sagen: Heiß Wasser auf Rädern. Eine wirklich liebevolle Geste.

Besonders auffallend bei unserem kleinen Spaziergang waren allerdings die gewaltigen Veränderungen, die in diesem ehemaligen Fischerdorf stattgefunden haben. Die Eisenbahn gibt es natürlich schon lange nicht mehr, aber genauso wenig die landschaftliche Idylle, die dort einmal geherrscht haben muss. Michel Rennes hat mir erlaubt, eines der Fotos zu einem direkten Vergleich hier abzubilden. Leider konnte ich nicht genau an die Stelle gelangen, an der das Originalbild entstanden war, aber es wird deutlich, wie sich alles verändert hat.

Das Buch ist für jeden Liebhaber Málagas und der Costa del Sol ein wirkliches Schätzchen, denn es ermöglicht einen sehr intimen Blick in die Zeit, als die Costa del Sol noch nicht von Touristen überlaufen worden war. Besonders was das Fischereihandwerk betrifft, ist heute nicht mehr viel davon zu sehen. Natürlich gibt es immer noch ein paar Fischer, die wie damals ihrem Beruf nachgehen, aber es werden immer weniger, denn sie haben in der heutigen Zeit keine wirtschaftliche Überlebenschance. Aber durch das Buch kann der Leser das Leben hinter der Arbeit kennenlernen, die Menschen, die eigentlich die Sonnenküste ausgemacht haben.

Bibliografische Daten

Titel: Huellas Malagueñas
Autor: Michel Rennes
Herausgeber: SPICUM – Servicio de Publicaciones de la Universidad de Málaga
D.L.: MA-1088-2009
ISBN: 978-84-9747-274-6
Preis: 25,00 Euro

Link zum Titel bei SPICUM: http://www.spicum.uma.es/libro.php?id=1410

Der Drehorgelspieler Jörg Perleberg: http://www.drehorgelspieler1.de/

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